Freitag, 9. März 2018

Seebären – die wahren Herrscher Südgeorgiens


Den Sommer auf Südgeorgien kann man ziemlich einfach in zwei Hälften aufteilen: die erste gehört den See-Elefanten, und die zweite den Seebären. Wenn nämlich die See-Elefanten die Strände verlassen, weil sie nach der intensiven Jungenaufzucht und Paarungszeit erst einmal mehrere Wochen lang im Meer ihre Reserven auffüllen müssen, dann übernehmen ihre kleineren Verwandten die Strände.


Die Antarktischen Seebären sind Pelzrobben, welche größenmäßig zwischen Schäferhund bis Mastschwein einzuordnen sind: dies beschreibt die Körpermaße der erwachsenen Tiere, also ohne Beine. Wikipedia sagt: die männlichen Seebären können bis zu 190cm lang und bis zu 150 Kilogramm schwer werden. Wie bei den See-Elefanten, so sind die Männchen wesentlich größer als die Weibchen, und genau wie bei ihren riesigen Kollegen kommen die Männer zuerst an Land und sichern sich ein Territorium von knappen 10 bis 30 Quadratmetern Strandbereich. Es sind prächtige, stolze Kerle, die Seebären-Männer: vor Kraft und Energie nur so strotzend, zeigen sie ihre kurze Mähne - und warten auf die Weibchen, die erst an Land kommen, wenn die Geburt ihres (im letzten Sommer gezeugten) Jungtieres unmittelbar bevorsteht.


Die Weibchen werden von den Männchen zu Harems zusammengetrieben und wie ein Schatz bewacht. Niemand ist innerhalb des Harems erlaubt: keine anderen Robben (außer noch mehr Weibchen...), keine Menschen, keine wild spielenden (Robben-)Teenager und ganz besonders keine anderen Männchen. Den Weibchen ist das nur Recht, sie wollen ihre Ruhe haben, ganz besonders, wenn ihr Nachwuchs endlich da ist. Die neugeborenen Seebärchen sind zugegebenermaßen ziemlich niedlich: sie haben riesige, blau-schillernde Augen und erstmal nichts anderes im Sinn, als zu trinken und zu schlafen – Babys halt...


Die Seebärenweibchen säugen ihre Jungen deutlich länger, als die See-Elefanten, nämlich vier Monate lang. Weil sie in der langen Zeit selbst bei Kräften bleiben müssen, schwimmen sie alle Paar Tage aufs Meer hinaus. Die kleinen Seebärchen sind während dieser Nahrungs-Streifzüge regelmäßig auf sich alleine gestellt, womit sie aber absolut kein Problem haben. Sie rotten sich zu Spielgruppen zusammen, lernen schwimmen, erkunden die Umgebung und schlafen, wo immer es ihnen beliebt: sie haben ja hier so gut wie keine Feinde. Die Riesensturmvögel und Skuas schnappen sich ein paar Jungtiere, wenn sie noch klein und hilflos sind: aber die Zeit ist schnell vorbei. Seebären werden schon aggressiv geboren, und ihre spitzen Zähne machen sie zu einem gefährlicher Gegner, selbst für Riesen wie meine geliebten Neo-Velociraptoren.


Um ihr Jungtier nach der Essenspause wiederzufinden, nutzen die Mütter ihre Stimme: es ist ein lauter, durchdringender Ruf, der extrem menschlich klingt. Die Weibchen haben schöne Sopranstimmen, und sie nutzen Vokale, vor allem I und U. Teilweise klingt es so, als würden Frauen Ji(iiiiiiiii)m oder Bo(ooooooooooo)b rufen!


Ihr Jungtier antwortet, wenn es den charakteristischen Ruf der Mutter hört, mit einer Art Meckern, einem raspelnden Ä, das wie eine Mischung aus Zicklein und knatschigem Kind klingt. Bei Tausenden von Robben innerhalb einer Bucht herrscht also das Gegenteil von Stille. Schließt man die Augen, dann kann man sich vorstellen, in einem Freibad zu stehen, in dem gerade hunderte Kinder toben, jauchzen und ausgelassen lärmen - zusammen mit einer Herde Ziegen...


Seebären sind, wie ihr es ja schon gesehen habt, eher einfarbig: die Jungtiere sind komplett schoko-braun und bekommen erst nach drei Monaten ihr seidig-graues Erwachsenenfell, das am Bauch heller ist als am Rücken. Etwa eines von 800 Jungtieren aber ist leuzistisch, also heller als die Norm: für eine an sich seltene Mutation ist das ein ziemlich hoher Anteil. Hier in der Bucht wurden drei 'Blondies' geboren – es sind wirklich attraktive Tiere! Die helle Fellfarbe scheint ihnen keinerlei Nach- oder Vorteile zu bringen: wenn überhaupt, dann sind ihre Artgenossen minimal neugieriger, was den Kontakt zu den 'Blonden' angeht.


Seebären gehören zur Gattung der Ohrenrobben, und als solche haben sie (wie der Name es so prägnant verrät) Ohren. Nicht, dass die anderen keine hätten, aber die Pelzrobben besitzen externe Ohrmuscheln, die teilweise herrlich vom Kopf abstehen. Ich will mich hier über niemanden lustig machen, aber … nun, sie bringen mich schon manchmal zum Schmunzeln, die kleinen Segelöhrchen!


Die zweite Besonderheit von Ohrenrobben ist ihre extreme Beweglichkeit. Während die Hundsrobben (darunter alle an den deutschen Küsten vorkommenden Robbenarten sowie die See-Elefanten) eine versteifte Hüfte besitzen und an Land nur extrem schwerfällig voran kommen, können die Ohrenrobben ihre Hinterflossen unter den Körper knicken und wie Beine benutzen. Sie sind deshalb ziemlich wendig und können auf unebenem Gelände und glitschigen Steinen einen Menschen einholen. Das ist wirklich eindrucksvoll!


Was mich auch beeindruckt hat, ist die Länge der Vibrissen dieser Tiere, also der beweglichen und extrem tast-empfindlichen Schnurrbarthaare. Besonders die großen Männchen haben auf jeder Seite zwei extrem lange Barthaare: die längste gemessene Vibrisse bei einem männlichen Antarktischen Seebären lag bei 48 cm. Das ist Rekord für alle Robben - und möglicherweise für alle Säugetiere überhaupt.
Diese Vibrissen sind ein eigenes Sinnesorgan, das eine Mischung aus Tasten und Hören ermöglicht. Klingt seltsam? Klar, über Wasser nutzen sie ihre Schnurrbarthaare in etwa so, wie es Katzen tun, eben als Tasthaare. Unter Wasser aber fangen die Vibrissen Schwingungen auf: da wäre einmal Geräusche, aber auch die Bewegung von Wasser. Sie sind damit in der Lage, den 'Spuren' von Fischen zu folgen, lange nachdem der Fisch vorbeigeschwommen ist, und ihn so zu finden. Einige Robben haben dies perfektioniert: die Bartrobbe in der Arktis etwa. Unsere Seebären hier dagegen fressen fast ausschließlich Krill, diese kleinen Krebstierchen, die in millionenfachen Schwärmen fast alles ernähren, was hier in den Gewässern lebt.

Sonntag, 11. Februar 2018

Die Drachen der Antarktis

Grytviken liegt in der kleinen Bucht King Edward Cove, welche sich wiederum in einem Seitenarm von Cumberland Bay befindet, dem größten Fjord der Insel. Umringt und geschützt von hohen Bergen ist dieser Ort der beste Hafen für Schiffe, denn hier ist die See am ruhigsten, das Wetter am besten und die Winde oft am wenigsten stark. Was super für uns Menschen ist, muss nicht unbedingt ideal sein für die vielen Tiere, die einen direkten Zugang zum offenen Meer vorziehen und sich lieber an der Außenseite der Insel aufhalten. Die großen Tierkolonien befinden sich deshalb außerhalb meiner direkten Reichweite: mir bleibt 'nur' der im Vergleich zum Rest Südgeorgiens spärlich bevölkerte Strand im Inneren von King Edward Cove. An Tierleben gibt es hier die Harems von See-Elefanten und Antarktischen Seebären (Pelzrobben), vereinzelte, sich meist in der Mauser befindende Pinguine (Königspinguine und Eselspinguine) sowie einzelne Paare / Individuen unterschiedlichster Vögel: Antarktische Küstenseeschwalbe, Dominikanermöwe, Spitzschwanzente, Riesenpieper, Skua und Rußalbatross wären da zu nennen. Eine Vogelart aber hat vom ersten Tag an mein besonderes Interesse geweckt: der Riesensturmvogel, auf Englisch 'Giant Petrel'. Wir hier auf der Insel nennen ihn aber schlichtweg GP ('Dschii-pii') oder 'Geep' (Dschiip, wie 'Jeep').


Riesensturmvögel sind entfernt mit den Albatrossen verwandt: es sind Röhrennasen, deren eigentümlicher Schnabel so aussieht, als sei er aus mehreren Hornstücken zusammengepuzzelt. Obendrauf sitzen die Nasenlöcher als eine Doppelröhre auf, die dazu dient, das Salz aus dem beim Trinken aufgenommenen Meerwasser auszuscheiden. Diese Entsalzungsanlage (die alle Röhrennasen haben, also auch die Albatrosse) ermöglicht es ihnen, ihr Leben komplett auf See zu verbringen, also wirklich gänzlich unabhängig von Süßwasser. An Land kommen sie daher eigentlich nur, um zu brüten - ansonsten trifft man sie auf dem offenen Meer an, dem stürmischen Südpolarmeer, wo sie steif aber elegant mit sehr wenig Flügelschlägen über den Wellen segeln.


Wie auch die Albatrosse und Eissturmvögel, so können Riesensturmvögel ziemlich alt werden: wie alt genau, wissen wir nicht, aber 50 Jahre schaffen sie locker.

Wie der Name schon sagt, handelt es sich bei den Riesensturmvögeln um ziemlich große Tiere. Eissturmvögel, ihre europäischen Verwandten, wirken wie Zwerge im Angesicht dieser größten aller Sturmvögel: sie weisen eine Körperlänge von teils über 90 cm auf und eine Flügelspannweite von über zwei Metern. Allein der Schnabel kann 12 cm lang sein und ihre mit Schwimmhäuten bestückten Füße haben locker die Größe einer menschlichen Hand. Ihr Federkleid ist meist braun bis gräulich gescheckt, aber es gibt auch seltene weiße Exemplare, die wir hier 'Spirit Petrels' nennen, Geistersturmvögel.


Der politischen Korrektheit halber sollte erwähnt werden, dass es zwei Arten von Riesensturmvögeln gibt, die Nördlichen und Südlichen Riesensturmvögel. Wir Deutschen machen es komplizierter als es sein muss, denn als Riesensturmvogel bezeichnet die Fachwelt den südlichen GP, und der nördliche heißt offiziell 'Hallsturmvogel'. Wenn ich von Riesensturmvögeln spreche, dann meine ich beide, denn sie sind sich extrem ähnlich und kommen hier in Südgeorgien auch beide vor. Äußerlich unterscheiden sich die beiden Arten nur auf den zweiten Blick. Am verlässlichsten erkennen kann man sie an der Farbe ihrer Schnabelspitze: die ist nämlich dunkler / rötlich (bei den nördlichen) bzw. heller / grünlich (bei den südlichen). Meine Eselsbrücke ist eine Ampel: rot für den Norden (oben), grün für den Süden (unten) ...

Links: nördlicher GP mit roter Schnabelspitze und (oft) hellen Augen
Rechts: südlicher GP mit grünlicher Schnabelspitze und (oft) dunklen Augen






 
Auf hoher See ernähren sie sich die GPs von allem, was auf bzw. dicht unter der Wasseroberfläche treibt: Krill, Tintenfisch, Abfälle der Fischerei und sonstiges Totes. Wenn aber im Sommer die Robben ihre Jungen bekommen, macht es für sie viel mehr Sinn, die Strände zu patrouillieren. Dabei sind sie nicht nur reine Aasfresser, sondern ziemlich skrupellose Jäger, die ganz gezielt einzelne Tiere anvisieren und töten.

An dieser Stelle eine kleine aber ernst gemeinte Warnung: dieser Blogbeitrag ist ab sofort gespickt mit nichtvegetarischen Bildern und wenig angenehmen Beschreibungen. Ich will diese Tiere keinesfalls als 'böse' oder abstoßend darstellen, ganz im Gegenteil, aber: es sind Jäger und sie ernähren sich von uns sympathischen Lebewesen. Genau wie bei Löwen, so gibt es diese blutige, raubtierhafte Seite an ihnen - die ich euch, absichtlich, zeigen bzw. nicht vorenthalten will!





Es gibt in der Antarktis keine Landraubtiere und auch keine Greifvögel. Damit fehlt die 'Gesundheitspolizei', also jene Instanz, welche die Schwachen und Kranken aussortiert und die Kolonien von Kadavern befreit. Genau diese Aufgabe haben hier die Skuas (Raubmöwen) und eben jene Riesensturmvögel übernommen. Was für manche Menschen brutal erscheinen mag, ist der Lauf des Lebens hier in Südgeorgien beziehungsweise ganz generell in der Natur. Außerdem haben die Riesensturmvögel ihrerseits auch Jungtiere, die im Laufe eines Sommers von Wachtelgröße auf Schwanengröße herangefüttert werden wollen. Es sind ziemlich lustige Wesen, diese Riesenküken: hühner- bis truthahngroße Wattebälle mit einem überdimensionalen Schnabel.


Laut Internet sind es 'nur' die größten, stärksten Männchen, welche aktiv Tiere töten: die jüngeren und kleineren GPs sind immer auf der Suche nach Aas. Wenn ich mich irgendwo hinlege, um etwa Tiere aus deren Augenhöhe heraus zu fotografieren, dann dauert es nicht lange, bis ein Riesensturmvogel zu Besuch kommt. Wenig elegant watschelt er dann herbei und lässt sich im Umkreis von zwei Metern nieder, um mich mehrere Minuten lang zu beobachten: es könnte ja sein, dass ich schon tot bin, schließlich habe ich mich ganze zwei Minuten nicht mehr bewegt...


Die mit Abstand meisten GPs sind Aasfresser bzw. suchen sich auf dem Ozean ihre Nahrung. Einige Individuen aber, vermutlich die erfahrenen, alten Tiere, können ziemlich skrupellose Jäger sein. Ihre Jagdstrategie ist dreist und einfach: sie gehen zu ihrer potentiellen Nahrungsquelle und versuchen, ihr die Augen auszuhacken, was vermutlich zum ziemlich sofortigen Tod führt ('vermutlich', weil ich's noch nie beobachtet habe).


Wenn die Taktik des "Ich hacke dir mal eben schnell die Augen aus" nicht klappt, sie aber jemanden gefunden haben, der sich nicht genügend wehrt, dann versuchen es die Vögel manchmal mit reiner Kraft. Sie verbeißen sich in Federkleid oder Fell fest und reißen so lange, bis sie Zugang zu Fett und Fleisch haben. Kurzum: sie hacken Löcher in andere Tiere hinein und beginnen mit dem Ausweiden, wenn es noch lebt.

Ein GP mit einem knapp 10 Tage alten Seebärenjungen,
das sich zu weit aus dem Schutz des Harems fortbewegt hat

Der Kampf zwischen Jäger und Gejagten kann Stunden dauern: dem beizuwohnen, ist harter Tobak... Ist ihr Gegenspieler dann endlich tot, sind die Riesensturmvögel erstaunlich effizient darin, den Kadaver zu leeren und einmal komplett umzukrempeln. Dass Tiere ohne Krallen bzw. Hände mit 'nur' einem Schnabel so etwas zu Stande bringen können, ist absolut erstaunlich!

Dieser Kadaver war verlassen, als ich ihn fand und mich mindestens eine halbe Stunde lang neben ihn kauerte, bis zuerst zwei Skuas vorbeischauten - und dann dieser relative junge, südliche Riesensturmvogel. Nachdem er mich kurz beobachtet hatte, begann er mit dem Fressen und ließ sich davon weder unterbrechen noch abbringen, als ich, irgendwann, langsam rückwärts von dannen robbte... Was für ein Erlebnis!
  
Auf diese Art und Weise sind sie in der Lage, See-Elefantenbabys und selbst erwachsene Königspinguine zu töten, also Tiere, die mindestens doppelt so groß und um ein Vielfaches schwerer sind, als sie selbst - und das ohne Krallen, sondern lediglich mit einem spitzen, kräftigen Schnabel und einer Menge Dreistigkeit und Kraft ausgestattet. Hartnäckig und ausdauernd sind sie auch: haben sie einmal mit dem Angriff begonnen, dann sind sie davon kaum mehr abzubringen. Nie zuvor ist mir ein Vogel begegnet, der so echsenhaft vom Charakter ist, so unglaublig 'anders' und urig. Die GPs sind für mich der klare Beweis, dass Vögel von Dinosauriern abstammen!


Am faszinierensten aber ist es, Riesensturmvögel an einem Kadaver zu beobachten. Gibt es nämlich irgendwo ein totes Tier, dann wissen relativ bald alle GPs der Umgebung davon, und dann beginnt der Streit ums Fressen. Jetzt zeigen sie, wie komplett anders vom Verhalten sie sind als alle mir bekannten Vögel. Um sich gegenseitig einzuschüchtern, breiten sie die Flügel aus und spreizen die Federn an Hals und Rücken: sie wollen so groß wirken, wie möglich.

 

Die ganz dominanten Tiere werfen ihren Kopf von links nach rechts, während sie einen krächzenden Ruf ausstoßen, der wie eine Mischung aus Pferdewiehern und Katzengejammer klingt und perfekt zu ihnen passt: ja, so könnten Dinosaurier klingen! Zu guter Letzt klappen die Streithähne dann noch ihren Schwanz nach oben und stolzieren herum, wie entfernte Verwandte des Auerhahns - es ist absurd-faszinierend!


Wenn das ganze Geprolle und Gehabe nicht hilft und der Konkurrent immer noch ans Fressen heran will, dann wird gekämpft. Die beiden Streithähne laufen aufeinander zu und verbeißen sich ineinander, während sie wild wiehernd und hoch aufgerichtet zeigen, wer der Stärkere ist. Spätestens bei dem Anblick besteht absolut kein Zweifel mehr: Velociraptoren haben überlebt! Sie sind nur kleiner geworden, haben ein Federkleid bekommen und ihre Krallen durch Schwimmhäute eingetauscht.


Ein kleiner Einwurf komplett am Thema vorbei, aber zu interessant um es nicht zu erwähnen: Velociraptoren, diese bekannten Raubsaurier mit den scharfen Krallen, welche in den 'Jurassic Park'-Filmen als 2 Meter große, 80 kg schwere Killer dargestellt werden, waren in Wirklichkeit nur so groß und schwer, wie ein Truthahn! Damit waren sie aber immer noch um einiges höher und schwerer als die Riesensturmvögel... :-)


Viel zu selten geschieht es, dass man Zeuge einer solchen 'Geepparty' wird, wie wir so ein Fressgelage nennen. Nur dann agieren die Vögel miteinander, nur dann zeigen sie dieses faszinierende Spektrum an Verhaltensweisen. Normalerweise sind es nämlich scheue, zurückhaltende Einzelgänger, die irgendwo am Strand sitzen und schlafen bzw. die Umgebung beobachten - still und unscheinbar, als könnten sie kein Wässerchen trüben. Ich hoffe, dass ich in den verbleibenden (nur noch 6!) Wochen noch ein oder zweimal die Chance bekomme, sie in Aktion zu sehen: denn sie haben mich komplett in ihren Bann gezogen, diese gefiederten Echsen - diese Drachen der Antarktis!


Sonntag, 21. Januar 2018

Hochsaison im Museum Grytviken

Das Museum in Grytviken gehört offiziell der Regierung Südgeorgiens, betrieben wird es aber vom South Georgia Heritage Trust (SGHT), jener kleinen schottischen NGO, für die ich gerade arbeite. Dieser „Font für das Erbe Südgeorgiens“ kümmert sich als einzige Organisation überhaupt um Natur- und Kulturschutzprojekte auf der Insel. Das Museum ist wirklich erstaunlich gut und groß für einen so abgeschieden Ort: die meisten Gäste staunen über das, was der SGHT hier aufgebaut hat.


Die Themen des Museums sind antarktische Expeditionen und Entdecker, die Natur- und Kulturgeschichte Südgeorgiens, aber vor allem der Walfang: Grytviken ist eines der größten der fünf Walfang-Dörfer hier auf der Insel, in dem bis in die 1960er Jahre bis zu 450 Menschen lebten.
Das mag überraschend sein für alle, die Grytviken heute das erste Mal besuchen und die wenigen Gebäude zählen, die dort stehen: zwei Arbeitshallen, eine Arbeiter-Wohn-Barakke, die erstaunlich große norwegische Kirche und ein paar kleinere Gebäude in direkter Umgebung der Villa des Managers, in der sich nun das Museum befindet. Dass sich hier einmal ein komplettes Dorf mit Kino, Krankenhaus und Schweinestall befand, erkennt man nur bei genauerem Hinsehen, denn die meisten Gebäude sind inzwischen komplett zerfallen und abgerissen worden.

Grytviken - Quelle: Wikipedia
By BluesyPete [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Grund für diesen Kahlschlag war, dass die Gebäude damals alle mit Asbest gebaut worden waren, was bedeutet, dass ihr Besuch heute gefährlich für die menschliche Gesundheit ist. Die anderen ehemaligen Siedlungen auf Südgeorgien sind tabu für Besucher: es gibt dort eine Sperrzone von 200 Metern. Grytviken aber beschloss man, für Besucher zugänglich zu machen, weshalb die am besten erhaltensten Häuser saniert wurden - alle anderen wurden abgerissen. Die Maschinerie der Walfang-Industrie, die einmal von Hauswänden umgeben war, rostet heute im Freien vor sich hin: große Tanks und riesige Öfen, Motoren, Winden und Sägen, Dampfkocher und bizarre Rohre formen ein faszinierend-künstlerisches Labyrinth aus Rost und Verfall, das so irgendwie gar nicht hineinpasst in dieses Bild dieses heutigen Tierparadieses.



Da der Kreuzfahrttourismus weltweit wächst, kommen auch mehr und mehr Menschen nach Südgeorgien. Das ist gut für die Regierung des kleinen britischen Überseeterritoriums, die pro Kopf eine nicht unerhebliche Pauschale veranschlägt, und auch für den SGHT, der deswegen mehr Kunden im Shop und mehr potentielle Geldgeber für zukünftige Naturschutz-, Archäologie- und Sanierungsprojekte gewinnt. Für die Natur ist es (vom CO2-Ausstoß der Schiffe mal abgesehen) vermutlich derzeit kein großes Problem, denn die Schiffe haben sich so gut wie alle der Organisation IAATO angeschlossen, welche den Tourismus von sich aus stark reguliert. So dürfen an fast allen Landestellen in der (Sub-)Antarktis nur 100 Besucher gleichzeitig an Land, weshalb selbst große Schiffe maximal 199 Gäste an Bord haben. Diese werden in Gruppen eingeteilt und zu unterschiedlichen Zeitpunkten an Land gelassen: Gruppen A und B für die ersten zwei Stunden des Landgangs, und dann wird getauscht mit den Gruppen C und D. So wird sichergestellt, dass jeweils maximal 100 Gäste an Land sind.

Das größte Schiff der Saison: die "Seabourne Quest" mit 450 Passagieren

Bisher funktioniert das hervorragend, und es sind keine negativen Auswirkungen auf das Verhalten der Tiere oder die Vegetation zu beobachten. Ich vermute also, dass durch diese strikten Regeln dem Wachstum des Tourismus hier enge Grenzen gesetzt sind, die vermutlich in nicht allzu weiter Ferne erreicht werden. Denn hier in Südgeorgien haben wir alle Hände voll zu tun: wir sind jetzt, in der Hochsaison, kurzzeitig zu siebt im Museum. Für 1-3 Monate bekam unser Kernteam Unterstützung von Pat (Sarahs Mann, der den Rest der Saison für andere Projekte unterwegs ist), Theo (ein junger Maler der hier eine Art Praktikum macht und in den kommenden Monaten ausschließlich Gemälde von hier anfertigen will) sowie Dani, welche sich um die Spenden für den SGHT gekümmert hat.

Mitarbeiter-Rekord in der besucherstärksten Saison 2017/18.
V.l.n.r.: Pat, Sarah, Dani, eine Statue von Sir Ernest Shackleton, Charlotte, Vickie, Theo und ich.

Alle drei werden uns nächste Woche verlassen: dann ist das "Kernteam" vom Anfang wieder auf sich alleine gestellt. Unsere Direktorin Sarah und die Museumskuratorin Charlotte kümmern sich um die Gäste und geben draußen Führungen zum Thema Walfang und Shackleton, wogegen Vickie und ich für den Shop verantwortlich sind und Hilfe von den anderen bekommen, wenn sie nicht anderweitig beschäftigt sind. Sowohl Sarah, Vickie als auch ich gehen außerdem an Bord der Schiffe und halten "Fundraising talks" - also einen Kurzvortrag darüber, was unsere Organisation so tut und warum man uns unbedingt unterstützen sollte (ein eigener Blog darüber ist in Planung).

Die Invasion der (meist) Rotjacken beginnt immer am Friedhof bei Shackletons Grab.
Von da aus geht's dann im Gänsemarsch zum Museum...

Weihnachten war die bisher stressigste Woche: neun Tage lang kam jeden Tag mindestens ein Schiff und gab es unglaublich viel zu tun. Die Kirche wurde geschmückt, wir haben Weihnachtsbaumanhänger für den Shop hergestellt (wir machen hier Dinge aus Kunstharz, wie Magneten oder kleine Skulpturen...), und dann die vielen Weihnachtsfeiern: eine der Station KEP, eine von uns, und dann hatte jedes Schiff auch eine, meist in der Kirche...


Weihnachtsstimmung kam bei all dem Trubel nie wirklich auf, was aber auch dem Sommerwetter zu verdanken war. Gut, Hochsommer ist hier wie ein lauer Winter im Rheinland (mit Temperaturen von meist 5-10°C), aber die Tage sind lang, es ist grün und die Tiere sind in solchen Massen vorhanden, wie es nur im Sommer der Fall ist. Dazu kommt die "typische" Weihnachtstradition der Südhalbkugel: man trifft sich hier am ersten Weihnachtsfeiertag draußen zu einem Grillfest. Und das ist etwas, das ich so partout gar nicht mit diesem Fest verbinde!


Die Bevölkerung Südgeorgiens befindet sich nun, im Hochsommer, auf ihrem Höchststand: allein hier in King Edward Cove sind wir teilweise bis zu 35 Personen, dazu kommen nochmal 9 auf Bird Island. Es sind jetzt Wissenschaftler für ihre Sommerprojekte da und ein großes Team vom SGHT, dass sich um die letzte Phase des Rattenprojektes kümmert - also 'ne Menge Leute und dementsprechend viel Trubel. Einsam und langweilig ist's hier definitiv nicht, ganz egal wie entlegen diese Insel auch sein mag! :-)


Samstag, 23. Dezember 2017

Frohe Weihnachten!

Hallo zusammen,
ein kurzer Blogbeitrag diesmal, weil ich mal wieder viel zu wenig Zeit habe: auch, weil hier Hochsaison ist und ein Schiff nach dem anderen unseren kleinen, ruhigen Ort in einen Rummelplatz verwandelt und wir fünf vom Museum wirklich alle Hände zu tun haben. Von Ruhe und Besinnlichkeit ist hier im hektischen Südsommer nichts zu spüren! Aber da ich von lauter britischen Weihnachts-Fans umgeben bin, gibt es kein Entrinnen: Plastik-Weihnachtsbäume, Lametta-Girlanden und Christbaumkugeln hängen in vielen Räumen, und abends dudelt Weihnachtsmusik. AAAAAAH...





Nun, in dem Zuge: frohe Weihnachten! Auf dass wir bald wieder mehrere Monate Ruhe davon haben!
:-)

Nein, im Ernst: ich wünsche euch ein paar ruhige Feiertage, und dass ihr gut ins neue Jahr hineinrutscht!

Liebe Grüße von diesem absolut besonderen Fleckchen Erde,
Eure Kerstin



Donnerstag, 7. Dezember 2017

Frühling bei den See-Elefanten

Seitdem ich das erste Mal von der Existenz Südgeorgiens gehört habe, plagte mich die Frage, was es mit diesem seltsamen Namen auf sich haben mag. Weder hat diese Insel irgendwelche Verbindungen zu Georgien bei Russland, noch zum amerikanischen Bundesstaat Georgia. Was also steckt hinter diesem Namen?

Im Jahr 1675 geriet der britische Kaufmann Antoine de la Roché nach der Umrundung Südamerikas in einen Sturm: sein Segelschiff wurde so weit nach Süden abgetrieben, dass ein gebirgiges Land mit tiefen Buchten in Sichtweite kam. Antoine und seine Mannschaft gingen dort zwar nicht an Land, fanden aber ein 14 Tage lang Schutz vor den Winden, bevor sie sich wieder auf den Weg nach Norden machten. Das Fleckchen unkartiertes Irgendwas wurde daraufhin als "Roché Island" in den Karten eingetragen - und lange Zeit nicht mehr besucht. 1756 wurde die Insel von einem spanischen Schiff gesichtet und "San Pedro" oder "Pepys Island" genannt. Wiederum 20 Jahre später, im Jahr 1775, segelte der britische Kapitän und Entdecker James Cook ganz gezielt in die Region. Angelockt von den vorherigen Entdeckungen hoffte er, hier den vermuteten antarktischen Kontinent zu finden. Im Angesicht der teilweise fast 3000m hohen Berge muss er geglaubt haben, dass seine Suche von Erfolg gekrönt war: bis er das Südkapp umrundete und begriff, dass es sich hierbei um eine Insel und nicht den erhofften Kontinent handelte. Seine Enttäuschung hielt er in einem sich bis heute haltenden Ortsnamen fest: die Südspitze der Insel heißt "Cape Disappointment".

Das Segelschiff "Bark Europa" besuchte uns Ende November.
Was für ein herrliches Schiff!
  
Cook betrat als erster Mensch die Insel, kartografierte die von ihm bereiste Küstenlinie - und beanspruchte das neue Land kurzerhand für Großbritannien. In dem Zuge benannte er sie dann auch neu: "Isle of Georgia" taufte er sie, zu Ehren des amtierenden britischen Königs, George III. Und das erklärt dann auch den heutigen Namen, "South Georgia", Südgeorgien.


Diese 160 Kilometer lange Insel ist das einzige Stückchen Land in einem riesigen Ozean, der genau an dieser Stelle auch noch sehr reich an Nährstoffen und Tierleben ist: die Gewässer gehören zu den besten Fischgründen der Welt. Genau deswegen ist die Insel von enormer Bedeutung für die Seevögel und Robben des Südatlantik bzw. Südpolarmeeres. Selbst die spezialisiertesten Seevögel brauchen Land, um brüten zu können, und gleiches gilt für Robben, deren Jungen im offenen Meer schlichtweg ertrinken würden. Zwei Robbenarten teilen sich die Insel: da sind einmal die See-Elefanten, und dann die Pelzrobben, genauergesagt die Antarktischen Seebären. Obwohl beide Robben in enormer Anzahl vorkommen, vertragen sie sich: auch und vor allem deshalb, weil sich ihre Paarungszeiten unterschiedlich über den Sommer verteilen. Die See-Elefanten sind als erstes dran: von September bis November belegen die Weibchen die Strände, an denen sie ihre Jungen gebären. Dabei pflastern sie das Ufer regelrecht zu: dicht an dicht liegen sie nebeneinander, Weibchen neben Jungtier, neben Weibchen, neben Jungtier.


Es gibt Tiere, die wir Menschen sofort als hübsch empfinden: See-Elefanten gehören definitiv nicht in diese Kategorie von Lebewesen. Ein Guide-Kollege hat sie mal treffend als "blubber-slugs" bezeichnet, als speckige (oder rotzende) Nacktschnecken. Nicht nur, dass sie die meiste Zeit des Tages unbeweglich im Sand liegen, nein: sie haben meistens triefende Rotznasen und bekacken sich ständig selbst. Die gelbe Farbe ist nicht etwa ihre Fellfarbe (die ist nämlich grau bis beige-braun), sondern stammt von ihren Exkrementen. Es ist eine echte Herausforderung, Bilder von ihnen zu machen, bei denen sie nicht extrem unvorteilhaft aussehen.


See-Elefanten haben im Vergleich zu anderen Robben riesigen Augen, welche einen Hinweis auf ihren Lebensraum geben: sie jagen und fressen Tiefseefisch und tauchen dafür über 2000 Meter tief. Der namensgebende Rüssel, den die ausgewachsenen Männchen haben, wird zur Ernährung aber nicht gebraucht. Er scheint Resonanzkörper für die lauten Rufe der Männchen zu sein, die ihren Territorialanspruch deutlich in die Welt hinausrülpsen. Und vermutlich ist dieser Rüssel vor allem ein Statussymbol: je größer er ist, desto toller fühlt sich der Mann. Dieses Phänomen ist uns Menschen ja nicht ganz unbekannt...


Generell muss ich sagen: Es sind verdammt seltsame Viecher, diese größten Robben der Welt! Die Weibchen allein sind mit ihren drei Metern Länge und 800kg Gewicht ein imposanter Anblick, wirken aber wie Zwerge im Angesicht der gigantischen Männchen. Fünf Meter lang und viereinhalb Tonnen schwer ist ein ausgewachsener, 15 Jahre alter See-Elefantenbulle. Sie liegen normalerweise wie dicke, fette Würste im Sand - es sei denn, sie sehen einen Konkurrenten, der ihnen ihre Weibchen streitig machen will. Dann können sich diese scheinbar unbeweglichen Kolosse auf Menschengröße aufrichten!
  

Während die Weibchen scheinbar relativ gefahrlos und stressfrei leben, haben es die Männchen verdammt schwer. Um sich paaren zu können, müssen sie einen Harem aus Weibchen gegenüber allen anderen Männchen verteidigen, und das schaffen nur die größten und ältesten Bullen. Sie sind ständig auf der Hut: sobald sie ein anderes Männchen sehen, ist's aus mit lustig.
Absolut.
Dann ziehen sie eine Grimasse, die wir Menschen sofort mit rasender Wut in Verbindung bringen - und verfallen in eine Art Berserker-Modus.


Mit erstaunlichem Tempo robben diese Kolosse dann in direktem Wege zum Widersacher - über alles und jeden hinweg, der ihnen im Wege steht, und das sind meist Weibchen und ihre Jungtiere. Okay, vielleicht leben diese doch nicht so stressfrei wie behauptet - aber immerhin prügeln sie sich nicht ständig, wie die Männchen.


Kämpfende See-Elefanten richten sich mannshoch gegenüber auf und lassen ihr weit geöffnetes Maul mit Schwung auf den anderen heruntersausen. Keine Ahnung, wie viele Tonnen an Gewicht dann in Bewegung sind. Es ist absolut beeindruckend, einen solchen Kampf mitzuerleben!


Die etwa 5 cm langen Eckzähne reißen teils schlimme Wunden: die gesamte Kopf-, Nacken- und Halspartie der Bullen ist ein Schlachtfeld aus Narben. Ich habe einen großen, toten Bullen gesehen, der wahrscheinlich verblutet ist, und andere mit horrenden Wunden beobachtet. Die Sterblichkeitsrate der Bullen muss groß sein: nur so ist zu erklären, warum man (im Vergleich zu den Weibchen) relativ wenig erwachsene Bullen sieht. Und diese oft aussehen, wie gerade erst dem Metzger entronnen...


Wie so oft im Tierreich kämpfen die Männchen um das Recht, sich fortzupflanzen: der stärkste Bulle zeugt die meisten Nachkommen. Wochenlang bewachen sie einen Harem aus Weibchen, die an Land kommen, um dort ihre Jungen zu gebären. Im Gegensatz zu den Männchen, die ständig irgendwelche Widersacher verscheuchen oder sich prügeln, versuchen die Weibchen, so viel wie möglich zu schlafen, während sie ihre Jungen säugen. Sie sind allerdings ziemlich streitlustig und regen sich liebend gerne über diese oder jene Nachbarin auf, die ständig zu nerven scheinen. See-Elefantenweibchen haben zwar nicht den lustigen Rüssel der Männchen, aber rülpsend rufen und dabei lustig aussehen, das können sie auch prima.


Die neugeborenen Robbenbabys nehmen innerhalb von drei Wochen schlappe 140 Kilogramm an Gewicht zu: die Milch der Weibchen besteht zum Großteil aus Fett. Etwa zweieinhalb Wochen nach der Geburt werden die Weibchen wieder empfängnisbereit und paaren sich dann mit dem Männchen, das in diesen Tagen den Harem sein eigen nennt. Und etwas über drei Wochen nach der Geburt der Jungtiere treten die Weiber die Flucht an und schwimmen aufs offene Meer hinaus, um sich wieder fett zu fressen. Ihr dann (laut Textbuch) 180 kg schweres Junges lassen sie dabei an Land zurück.



Die kleinen Robben sind ab ihrer vierten Lebenswoche komplett auf sich alleine gestellt - und verbringen die kommenden 3 Monate mit Spiel und Schlaf. Sie sind (wie fast alle jungen Tiere) herrlich naiv und neugierig - und kennen so gut wie keine Scheu, besonders und vor allem nicht gegenüber kleinen, robbenförmigen Dingen, wie etwa am Boden herumkriechende Fotografen...


Auf Englisch nennen wir diese herrenlosen Babyrobben "weaner", was trotz gleicher Aussprache (und visueller Ähnlichkeit) nichts mit den Wiener Würstchen zu tun hat, sondern von "to wean" abstammt, also dem (von der Mutter bzw. der Muttermilch) "entwöhnt sein".

Die kleinen Speckschwarten gehen immer öfters ins Wasser und rotten sich mit anderen Gleichaltrigen zusammen, um vor allem zu schlafen und dabei extrem lustige, schnaubend-pupsende Laute von sich zu geben. Jede fünfte bis achte Schulklasse hätte seine helle Freude an der Geräuschkulisse einer See-Elefantenkolonie. Da ich euch diese erheiternden Variationen von nicht tischmanierlichen Lauten nicht vorenthalten will, habe ich eine Tonaufnahme vorbereitet und daraus auf die Schnelle ein superschlechtes Video kreiert. Mal gucken, ob das mit dem Hochladen und Abspielen klappt!?


Zu meinem großen Erstaunen scheinen die Jungtiere noch zu wachsen, nachdem sie von ihren Müttern am Strand zurückgelassen wurden. Ich habe absolut keine Ahnung, wie das gehen soll, aber sie werden noch ein bisschen größer, obwohl sie nichts mehr zu sich nehmen. Wenn noch jemand einen Nobelpreis gewinnen will, dann kann ich empfehlen, doch mal das Genom oder was auch immer zu entschlüsseln, das es den See-Elefanten ermöglicht, ohne Nahrung und allein durch Schlaf Fett in Muskeln umzuwandeln. Diese Fähigkeit hätte ich auch gerne!



Und nun wünsche ich euch noch einen schönen Tag und eine frohe Weihnachtszeit.
Bis zum nächsten Blogbeitrag!
:-)