Sonntag, 13. Oktober 2013

Svalbard 2013 - Ein erster Rückblick

Nach einem langen Sommer in der Hocharktis bin ich nun wieder zurück in Deutschland. Arbeitslos bin ich aber nicht: es geht mit großen Schritten auf die Premiere der "Inseln des Nordens" zu, und dementsprechend viel ist zu tun. Dennoch will ich endlich einmal wieder von mir hören lassen!
Drei Monate habe ich diesen Sommer auf und um Spitzbergen verbracht: drei Monate, voller unvergesslicher Erlebnisse. Svalbard hat sich mir von einer gänzlich anderen Seite präsentiert als im Jahr zuvor. Ließ sich 2012 mit den Begriffen "Buckelwale", "tolles Wetter" und "extrem wenig Eis" charakterisieren, dann würde ich den Sommer 2013 folgendermaßen zusammenfassen: "Eisbären", "extrem verregnet" und "immer noch verdammt wenig Eis".

Beim Vogelfelsen Alkefjellet
Nie zuvor schien mir der Klimawandel greifbarer, als in den vergangenen beiden Jahren. Den Tieren hat man die Erderwärmung zwar nicht angesehen, sehr wohl aber dem Wetter und dem Packeis. Ersteres hat völlig verrückt gespielt: in Longyearbyen hat es so viel gerregnet, wie noch nie zuvor in der menschlichen Siedlungsgeschichte. Der Regen hat den Gletschern in der Umgebung des Isfjorden sehr zugesetzt: der Longyearbreen beispielsweise ist plötzlich von tiefen Schmelzwasserkanälen eingeschnitten. Letztes Jahr konnte man noch über die maximal ein Meter tiefen Rillen am Gletscherfuß springen. Jetzt befinden sich mehrere Meter tiefe Canyons im Eis, in die man hineinwandern kann: hineingeschmolzen von den Unmengen an warmen Regenwasser.

Ihr wisst ja alle, dass sich zwischen Svalbard und dem Nordpol ein gefrorenes Meer befindet. Das Packeis des Nordpolarmeeres ist immer natürlichen Schwankungen unterworfen: mal gibt es mehr davon, mal weniger, das ist ganz normal. Wisst ihr aber auch, dass die sieben stärksten Negativrekorde in der Packeisausbreitung des arktischen Ozeans alle in den vergangenen sieben Jahren gemessen wurden? 2012 war das schlimmste Jahr bisher: letzten Sommer schmolz das Eis so stark zurück, wie selbst die meisten Klimamodelle es nicht vorausgesagt hatten. Der vergangene Winter war wieder kalt, das Eis bildete sich neu, und schmolz diesen Sommer nicht ganz so drastisch ab. Medien berichteten schon, wie falsch die Klimamodelle liegen würden, weil es ein "gutes" Packeisjahr gewesen sein soll. Das ist aber Unsinn: auch dieses Jahr ging das Eis überdurchschnittlich stark zurück: auf den siebt-niedrigsten Stand der menschlichen Geschichte. 


Den Tieren merkt man die starken Veränderungen ihres Lebensraumes nicht direkt an: den Eisbären Svalbard geht es auf den ersten Blick gut. Sie wandern den Robben hinterher, und Robben befinden sich auf gefrorenem Meer, gerne auch in Landnähe, so es dort gefrorenes Meer gibt. Im Frühsommer ist das der Fall: viele Ringel- und Bartrobben liegen neben ihren Atemlöchern auf dem Eis der zugefrorenen Fjorde.

Okay, kein Fjord, aber immerhin eine Bartrobbe! :)

Wenn sich das Packeis im Frühsommer von Svalbard aus zurückzieht, sind die Fjorde im Innersten noch gefroren: erst wenn auch dieses Eis schmilzt, machen sich die Bären auf den Weg gen Norden. Das ist dann meist schon zu spät, denn zwischen ihnen und dem Packeis liegen dann oft schon 100km offenes Wasser. Sie sind an Land gestrandet, dort, wo es keine Nahrung für sie gibt.

Bei Kvitøya
Dieses Jahr bekamen die Fjordbären aber eine zweite Chance: Im Juli wurde ein Packeisgürtel, also ein großes, zusammenhängendes Band aus Treibeis, vom Wind nach Süden gedrückt. Plötzlich war wieder Eis da, die Bären wanderten auf ihm umher, jagten Robben, suchten Nahrung. Nun lag es in der Natur der Sache, dass dieser "Highway" aus Eis sehr schnell schmolz. Und so wurden all diese Bären im Laufe von sechs Wochen auf einige wenige kleine Packeis-Inseln konzentriert. Normalerweise muss man stundenlang entlang der Eiskante fahren und intensiv suchen, um auch nur einen einzigen Bären zu finden. Und jetzt? Gab es in Landnähe Packeis und fanden die Bären uns! Es war ziemlich genial! :-)






Das oft schlechte Wetter sorgte zwar für viele graue, verregnete Tage, aber auch für einmalige Lichtstimmungen. Ich habe nicht viele Landschaften fotografiert diesen Sommer, aber die wenigen Male, an denen ich die Kamera herausholte, waren wirklich sehr lohnend! Wind, Sturm, Nebel, scharfe Wolkenfronten - die Arktis zeigte sich gleichzeitig von ihrer harschen und schönen Seite.

Sturm bei Kvitøya, der total vergletscherten, zweitgrößten Insel Svalbards


So, das war's für heute.
Nächste Woche geht es für mich schon wieder los: diesmal auf die kalten Inseln des Südens. In etwas über einem Monat werde ich mich wieder melden - ich versuche es zumindest!
Bis dahin: alles Gute, auf bald!