Samstag, 6. Oktober 2018

Späte Arktissaison 2018


Mein arktischer Arbeitssommer war dieses Jahr ziemlich kurz: 'nur' vier Reisen auf drei verschiedenen Schiffen, davon drei Touren in Spitzbergen und eine von dort aus nach Ostgrönland und später Island. Wetter und Licht waren überwiegend gut bis teilweise herausragend: schon allein die Anflug nach Spitzbergen war der fotogenste, an den ich mich erinnern kann; mit Blick über die teils wolkenverhüllten Gletscherzugen, die sich in flachen Buchten ins Meer schoben...



Nachdem ich drei Jahre lang die frühe Saison auf Spitzbergen mitgemacht hatte, genoss ich es diesmal besonders, dass jetzt im Spätsommer die Sonne wieder unterging. Spitzbergen liegt ja so weit im Norden, dass von Mitte April bis Mitte August 24 Stunden akute Helligkeit herrscht. So praktisch das einerseits ist, so langweilig ist es für Fotografen, die warmes Licht lieben. Selbst zu Mitternacht herrscht hier grelles Mittagslicht! Erst ab August kann man wieder Nachmittags- und später sogar Abendstimmungen erleben: wunderwunderschön war das! :-)



Auf allen Fahrten hatten wir herausragende Tierelebnisse: einige Bilder habt ihr ja schon gesehen. Höhepunkte waren mehrere Eisbärenbegegnungen: darunter zwei junge Weibchen, die vermutlich an einer Karriere als Model arbeiteten und sich so dermaßen fotogen verhielten, wie ich es nie zuvor erlebte. Schaut euch nur das hier an - das war echt kaum zu glauben!



Ein anderes Mal erlebte ich, wie zwei Eisbärenmännchen eine Robbe teilten: der kleinere Jäger war alles andere als glücklich, als ein großes, altes Männchen ankam und seinen Teil der Beute beanspruchte, aber nach kurzer Rangellei stand fest, dass beide lieber teilten, statt sich wirklich zu prügeln. Also waren da zwei Bären, die so schnell es ging eine komplette Robbe in ihre Einzelteile zerlegten - also sowas hatte ich auch noch nie gesehen. Das war einfach nur irre!



Was dieses Jahr für mich besonders macht, ist nicht nur geniale Ausbeute an Eisbärenfotos, sondern ein gutes Gefühl, was den diesjährigen Zustand der Eisbärenpopulation Spitzbergens angeht. Ich will jetzt nicht sagen, dass es keinen Grund zur Sorge gibt: die Gletscher schmelzen weiterhin in Rekordgeschwindigkeit, es findet sich viel zu viel Plastikmüll an den Stränden und es gibt neue, erschreckende Studien zum Thema Umweltgifte und deren Auswirkungen auf die arktischen Lebewesen. Genau wie in Europa, so war der vergangene Sommer ziemlich warm, wenn auch nicht sooo extrem trocken, aber statt dessen (wie es mittlerweile ja normal ist) mit sehr wenig See-Eis. Einige strategisch wichtige Gletscher kalbten dieses Jahr aber so dermaßen stark, dass über Quadratkilometer hinweg dort so viel Eis im Meer schwamm, dass viele Robben darauf liegen konnten - und die Eisbären dort wie gewohnt jagen konnten.




In anderen Gegenden scheint der Winter lang genug gewesen zu sein, damit sich die Bären dick fressen konnten und meist das nötige Fettpolster hatten, um den kargen Sommer zu überstehen. Generell kann ich sagen: die Eisbären, die ich sah, spiegelten dieses Jahr eine gesunde Population wieder: es gab dünne aber auch dicke Bären, mehrere Mütter mit Jungtieren verschiedenen Alters und eine gute Anzahl weiblicher Bären. Es war das Gegenteil vom Horrorszenario der Jahre 2015 und 2016, wo ich ständig auf völlig untergewichtige Bären traf...



Die letzte Arktisreise dieses Jahr brachte mich nach Ostgrönland, was ein Paradies für Landschaftsfotografen ist: vorausgesetzt das Wetter spielt mit. Das tat es fünf von sieben Tagen leider gar nicht, was echt super schade war - aber hey, das ist Natur, da steckt man nicht drin...



Die Geologie in Ostgrönland ist die irrsinnigste, die ich je zu Gesicht bekommen habe: einige Orte, wie der Segelsällskapet Fjord, gehören meiner Meinung nach auf die Liste des UNESCO Weltnaturerbes - und dringends gesperrt. Ich war echt geschockt, als ich gesehen habe, wie niedergetrampelt dieser Ort jetzt ist: entweder gibt es dort viel mehr Besucher, als ich bisher geglaubt habe, oder aber die Steine sind einfach so dermaßen empfindlich, dass selbst wenige Menschenfüße hier schon Schaden anrichten können. Ich habe mich bereits an die entsprechenden Stellen gewand - aber ob etwas getan wird, liegt leider nicht in meiner Hand...



Scoresbysund in Ostgrönland ist für mich der Ort mit den weltweit allerschönsten Eisbergen: alles hier ist extravagant in Größe, Form und Farbe. Dieses größte Fjordsystem der Erde hat so dermaßen tiefe Fjorde, dass die vom riesigen Inlandeis gespeisten Gletscher hier in gigantischen Stücken abbrechen können. Teilweise schwimmen da ein komplette Gletscher im Fjord herum, mit Kantenlängen von über einem Kilometer... Klar, in der Antarktis gibt es noch größere Eisberge: die sind aber meist vom Schelfeis abgebrochen, was oft langweilig-schneeweiß ist. Die Eisberge Grönlands dagegen sind wild gemustert und individuell geformt, als habe sich ein Bildhauer an jedem einzelnen seine besondere Mühe gegeben. Diese Ansichten lassen einen einfach sprachlos staunen...



Ja, und jetzt ist es auch schon wieder Oktober und höchste Zeit, nach Süden zu reisen. Ich musste einfach die Chance ergreifen, unbedingt eine zweite Saison in Grytviken auf Südgeorgien zu verbringen. Und so schreibe ich diese Zeilen bereits auf den Falklandinseln, von wo mich ein Schiff innerhalb der kommenden Woche immer schön nach Südosten auf diese entlegene Insel im Südatlantik bringen wird. Ich werde ganz arg versuchen, mich mehr als einmal zu melden. Wenn es aber wieder wochenlang nichts von mir zu hören gibt: nicht wundern, dann habe ich (wie so oft...) im realen Leben einfach zu viel zu tun! :-)


1 Kommentar:

  1. Wunderschöne Farben der Eisberge. Ich hatte vor 30 Jahren mal in Norwegen an einem Gletscher solch ein Blau gesehen. Der Gletscher ist jetzt verschwunden, aber die Erinnerung ist noch da ... immerhin :-(. Lg, Heike

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